28. November 2012

Ach, Sie können mich mal

Sagte ich schon, dass das Essen, welches ich ausfahre, erbärmlich schmeckt? Da schicken Sie Ihr Kind in betreutes Fressen und was bekommt es vorgesetzt? Convenience-Produkte, mit Speisestärke versetzte Päckchensoße, Kartoffeltaschen aus dem Discounter, Hamburger-Bratlinge aus dem Tiefkühler und in Plastikwannen umgefüllten Fertigpudding. Geschmack von feinster Beschissenheit. Woher ich das weiß? Sehen Sie, wir Fahrer dürfen uns nach Dienstschluss am Mitarbeiterbuffet bedienen, das sich aus den Resten der Schüler- und Kindergartenkinderverköstigung zusammenwirft. Der Hunger hat es mir schon manchmal reingetrieben. Und die danach auftretenden Krämpfe wieder hinaus.

Ach Gott, hören Sie nur auf, mich zu einem anständigen Mann verklären zu wollen, nur weil ich hier Missstände öffentlich mache. Ich finde es ja nicht übel, dass die Kröten reicher Wichser diese Scheiße fressen sollen. Mich freut das sogar. Da bekommen sie mal den Dreck aufgetischt, den ansonsten Kinder aus armen Hause kauen müssen. Um die bedürftigen Kinder in Betreuung tut es mir allerdings wirklich leid. Aber um die Schnöselgeburten ganz sicher nicht. Scheiße sollen sie fressen! Wenn ich ihnen den als Essen deklarierten Dreck liefere, blicken sie mich arrogant an, provozieren mich, zeigen mir, dass ich nur zu ihrem Gesinde zu zählen bin. So sind sie es gewohnt von daheim. Bedienstete gafft man unter Snobs überheblich an. Ich kann damit glänzend umgehen, weil ich mir ausmale, wie sie den Dreck runterwürgen und dann stinkenden Durchfall bekommen oder sich hoffentlich erbrechen. Das nenne ich Genugtuung.

Sie werden mich ein Ekel nennen. Ich kann es Ihnen nicht verdenken. Wahrscheinlich gehören Sie zur Gruppe bessergestellter Scheißer, die Menschen wie mich verachten müssen. Vielleicht spachtelt Ihr Nachwuchs einfach auch nur den Fraß, den Leute wie ich anliefern. Ich würde mich über Menschen wie mich auch ärgern und dabei angewidert die epilierten Nasenlöcher rümpfen, wenn ich aus dem Loch gekrochen wäre, aus dem Sie herkamen. Sehen Sie es aber mal von meiner Warte. Wenn so vorlaute Bengel kostenintensiver gekleidet sind, wie ein erwachsener Mann von einigen stattlichen Jahren, dann entwirft das zwangsläufig Widerwillen. Ich hasse diese Kinder durchaus nicht, auch nicht deren Eltern. Ich wünsche ihnen nur Hämorrhoiden. Nicht an den Arsch, da hat sie jeder, sondern direkt in die Fresse, auf die Lippen oder die Augenlider.

Sie werden mich eine gescheiterte und folglich verbitterte Existenz nennen. Von Ihrem Standpunkt aus bin ich das natürlich. Sie werden mir überdies die Schuld für mein Dasein als Arbeitskraft für sechs Mücken Stundenlohn in die Schuhe schieben wollen. Das läßt mich kalt. Ich habe zu viele Typen kennengelernt, die genau so tickten und mich belehren wollten. Darauf geschissen! Wenn mir alles zugefallen wäre, wie Taubenschiss auf Autolack, dann würde ich nicht anders argumentieren wie Sie. Vielleicht habe ich es mir manchmal zu einfach gemacht. Mag schon sein. Dass ich das manchmal nicht bereue, wäre gelogen. Aber es ist nicht so, dass ich täglich darüber nachdenke. Über Arschlöcher, die mir die alleinige Schuld für meine Probleme zuschieben wollen, obwohl sie meine Arbeitskraft dringend benötigen, denke ich hingegen schon öfter nach.

Denn ich bringe denen was zu Kauen, wo sie keine Zeit haben, etwas Kaubares aufzutischen. Heute ihren Kindern, früher, als ich noch Pizza durch die Gegend kariolte, ihnen selbst. Immer fuhr ich auch zeitgleich, das heißt nach dem Dienst, auch noch zum Jobcenter. Meine Chefs kamen nie komplett für mich auf.

Bruckner, Sie haben versagt, Sie hätten mehr erreichen können. Das werden Sie sich nun denken. Mein Sachbearbeiter denkt es sich nicht, er sagt es. Kladek ist ein konservativ-stupider Mensch, der sein Leben nach Plan baute. Das tat ich nie, ich konnte Pläne nie richtig lesen. Dann fing ich mit dem Schreiben an und alles wurde noch schwieriger, denn ich brauchte Jobs, die sich damit vertrugen. Das taten alle irgendwo, nur vertrugen sich diese Jobs zu keiner Zeit mit meinem Konto. Minijob nennt sich dieses sparsame Konzept. Die Erfindung reicher Scheißkerle, billiges und ausbeutbares Gesindel zu schaffen. Ich werden Ihnen an dieser Stelle nicht erzählen, was Minijob bedeutet, wie sich der Arbeitsalltag gestaltet und welche Diskrepanzen zwischen rechtlichen Ansprüchen und Wirklichkeit liegen.

Sie würden es aber gerne erfahren? Als letztens jemand das von mir erfahren wollte, gab es danach Gebrüll. Kladek fragte mich bei einem Termin, wie sich mein Arbeitsalltag beim Catering so gestalte. Ich gab Interna preis, was es bedeutet, von faulen Bürokraten wie ihn in Arbeitsgelegenheiten manövriert zu werden, die es nur gibt, seitdem jede Arbeit für zumutbar erklärt wurde. Ich gebe zu, ich redete mich in Rage. Kladek bat um Beruhigung und ich wurde nochmals lauter. Und Kladek wurde ebenfalls laut. Ich stand auf, riss die Tür seines Büros auf, hieß ihn nochmal einen idiotischen Einfaltspinsel, der mich am Arsch lecken dürfe, und schmiss die Türe hinter mir energisch ins Schloss. Und das war's dann.

Kommentare:

  1. Sind Sie ein Ekel. Sie widern mich so an.

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  2. Vielleicht soltest Du Deinen Hass produktiv machen. Ich versteh ihn gut, bin auch ein Malocher, wenn auch noch nicht zu 6 Euro Stundenlohn. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich hatte in Spanien 18 Euro. Dann kamen die arbeitslos gewordenen Bauarbeiter und haben sic für 5 Euro angeboten. Ich war nicht mehr wettbewerbsfähig. Mit (Klassene)- Hass prdouktiv machen meine ich: Schau Dir mal uns Kommunisten genauer an. Wenn Leute in grösserer Zahl anfangen, das zu machen, tut das der anderen Seite wirklich weh. Über Motzenkönnen sie nur heimlich grinsen.

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  3. ...herrlich mehr davon, endlich sagts mal einer, und nennt den haufen scheisse hier nicht apfelkuchen...
    danke

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  4. danke hierfür ... sauber/knapp auf den punkt gebracht.

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  5. Einfach geil, schade dass es sovielmal Wixer gibt dies anders sehen

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  6. Sehr gut.Aggressionen runterschlucken macht krank.Und da schon eine Belastung durch Job und Schweinesystem besteht..warum nicht regelmässig ausrasten?

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